30.06.2006

Großbrand einer Kunststofffabrik in Estorf

27 Feuerwehren, ABC Zug und THW kämpften gegen Flammen und Rauch

Estorf. Argentinien führte gerade 1:0 gegen Deutschland im Viertelfinale, als die Sirenen die Wehren Estorf und Leeseringen am Freitagabend um 18.34 Uhr zum Einsatz riefen. In der Lagerhalle eines kunststoffverarbeitenden Betriebes, der Leisten und Dichtungen für Wohnwagen herstellt, war ein Brand entstanden. Die Belegschaft war schon ins Wochenende gegangen, nur noch 2 Damen der Geschäftsleitung waren vor Ort. Bei einem abschließenden Rundgang entdeckten sie das Feuer und alarmierten die Leitstelle.

Den ersten beiden Wehren schlugen am Ende der Halle Flammen entgegen. Plötzlich kam es zu einer Explosion und die Flammen setzten die gesamte Halle blitzartig in Brand. Die Durchzündung war so heftig, dass die Feuerwehrleute wegen der großen Hitze erst einmal zurückgehen mussten. Abschnittsleiter Bernd Fischer, der selbst in Estorf wohnt, löste daraufhin Alarmstufe III, Großbrand, aus. Sämtliche Wehren der Samtgemeinde Landesbergen und der Stadt Nienburg wurden per Sirene nachalarmiert.

Eine riesige schwarze Rauchwolke stieg über 100 m hoch und zog in Richtung Liebenau. Die nachrückende Wehr aus Münchehagen konnte sie schon bei der Abfahrt in ihrem Ort sehen. Deshalb sperrte die Polizei die Verbindungen Leese - Nienburg und Liebenau - Stolzenau komplett fast bis 04 Uhr ab. Der ABC Zug führte Messungen der Luftverschmutzungen bis nach Liebenau durch. Wegen der Größe der Wolke wurden auch Messungen vom ABC Zug Diepholz durchgeführt. Ein Polizeihubschrauber übernahm die Beobachtung aus der Luft. Die Bevölkerung wurde über Rundfunkdurchsagen aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Verkehrsfunk warnte vor den großräumigen Sperrungen. Bei allen Kunststoffbränden, wie bei jedem Küchenbrand, entstehen unter anderem Chlorgase, die in Verbindung mit Wasserdampf Salzsäure bilden. Alle Messungen ergaben zum Glück keine gefährlichen Konzentrationen.

Da die Löschangriffe nur unter schwerem Atemschutz durchgeführt werden konnten, wurden weitere Wehren alarmiert, um die erschöpften Kameraden abzulösen. Der Einsatz der Drehleitern Nienburg und Liebenau war wegen der Möglichkeit, aus großer Höhe zu löschen, sehr hilfreich. Die 2 alarmierten Werksfeuerwehren konnten mit ihren Wasserwerfern große Mengen an Löschwasser in das Brandobjekt fördern. Die Feuerwehrtechnische Zentrale schaffte Ersatz an Schläuchen und Atemluftflaschen heran, die Berufsfeuerwehr (BF) Bremen brachte 5000 Liter zusätzlichen Schaummittels. Weiteres Schaummittel in größeren Mengen kamen noch von der BF Hannover sowie von der Werkfeuerwehr BASF Minden. Die Wasserförderung musste über weite Strecken durchgeführt werden, bei der benötigten Menge eine aufwändige und mühevolle Arbeit. Am Ende kämpften laut Leitstelle ca. 280 Einsatzkräfte an der Estorfer Brandstelle.

Nach etwa 5 Stunden übernahm der Versorgungszug der Feuerwehr Wietzen die Verpflegung. Heißer Kaffee, belegte Brote und Bockwürstchen wurden von den erschöpften Einsatzkräften mit Dankbarkeit angenommen. Viele brauchten diese Pause nach vielen Stunden des harten Einsatzes dringend.

Der Besitzer der Tankstelle in Leeseringen war sofort bereit, seine Öffnungszeit für die Feuerwehr bis weit nach Mitternacht auszudehnen. So konnte der große Bedarf an Treibstoffen für die vielen Fahrzeuge, vor allem Benzin für die Tragkraftspritzen, gedeckt werden. Alle Fahrzeuge, die in die Waschanlage passten, wurden bis nach 24 Uhr gewaschen, um Säureschäden am Lack zu vermeiden. Sämtliche Einsatzfahrzeuge mussten noch in der Nacht von den Ortswehren aus dem gleichen Grund per Hand gewaschen werden.

Über die Brandursache kann noch keine Aussage getroffen werden, ebenso wenig über die Schadenshöhe. Die Lagerhalle ist vollkommen zerstört, ob die Maschinehalle zu reparieren ist, muss erst später geprüft werden. Wegen der Größe des Einsatzes und der Zerstörungen muss von einer erheblichen Summe ausgegangen werden.

Das Ablöschen der restlichen Brandnester wird noch lange Zeit in Anspruch nehmen. Kreisbrandmeister Hans Jürgen Bleeke und Abschnittsleiter Bernd Fischer waren mit der engagierten und professionellen Arbeit der Wehren sehr zufrieden. Alle freute es, dass bei diesem gewaltigen Brand kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Als noch das Weiterkommen der deutschen Mannschaft ins Halbfinale bekannt wurde, waren alle zufrieden. Nur die Wehr Leese haderte mit ihrem Schicksal, sie musste Königsproklamation und Zapfenstreich alarmmäßig verlassen. Das Schützenfest wird für sie erst morgen beginnen.

Folgende Wehren und Züge waren bei diesem Großbrand eingesetzt: Estorf, Leeseringen, Landesbergen, Brokeloh, Bolsehle, Schessinghausen, Groß Varlingen, Liebenau, Husum, Rohrsen, Langendamm, Erichshagen, Rodewald, Linsburg, Wenden, Steimbke, Stöckse, Leese, Münchehagen, Steyerberg, Nienburg/Weser, Holtorf, Feuerwehren aus der Samtgemeinde Marklohe, BF Bremen, BF Hannover. Dazu die Werkfeuerwehren Oxxynova, Nienburger Industriepark, BASF Minden, ABC-Zug Landkreis Nienburg, THW, die FTZ, JUH SEG Landesbergen, DRK SEG-Süd, der Versorgungszug Wietzen, Polizei Nienburg und der Polizeihubschrauber Phönix.

Text & Fotos: Reinhard Bittner, Feuerwehrpressewart Samtgemeinde Landesbergen

Luftbilder: Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen