23.06.2011

Freigesetzte Salzsäure fordert 200 Einsatzkräfte in Stolzenau

Stolzenau. Ein Gefahrguteinsatz mit der Freisetzung von Salzsäure forderte am Donnerstag eine Vielzahl an Feuerwehren im Landkreis Nienburg bei einem Großeinsatz. Über 200 Einsatzkräfte wurden nach Stolzenau in die Große Brinkstraße beordert, um in einem kunststoffverarbeitenden Industriebetrieb größeren Schaden zu verhindern. Personen kamen bei dem Einsatz nicht zu Schaden.
Als die Ortswehr Stolzenau um 11.34 als erste alarmiert wurde, stiegen unklare Dämpfe aus einer Mischanlage auf. Der rund zwei Tonnen fassende Mischer war zuvor von Betriebsmitarbeitern unter anderem mit PVC-Pulver, Weichmachern und Pigmenten beschickt worden, um daraus eine Flüssigkeit zur Herstellung von Kunststoffbahnen zu mischen. Durch eine heftige Reaktion bei diesem Produktionsprozess kam es dann zu einer unklaren Rauchentwicklung.

Unmittelbar nach Eintreffen der ersten Kräfte wurden die Gefahrgutgruppe Süd und der ABC-Zug des Landeskreises Nienburg nachalarmiert, die bei Gefahrgutunfällen zum Einsatz kommen. Zwischenzeitig erfolgte die Evakuierung der Mitarbeiter aus der Mischerei und den angrenzen Produktionsbereichen.
Nach dem Eintreffen der Feuerwehr-Fachzüge wurde die umfangreiche Technik aufgebaut und erste Messungen vorgenommen. Diese ergaben eine hohe Konzentration an Salzsäure in der Luft der Mischerhalle, die ohne Schutzmaßnahmen die Gesundheit der in der Nähe befindlichen Personen schädigen würde. Zudem hatte sich das Gemisch stark erhitzt.
Absperrbereiche wurden eingerichtet und erste Sicherungsmaßnahmen getroffen. Dazu gehörten neben dem Aufbau von Löschwasserversorgen auch das Abschiebern des Abwassernetzes, um eventuell eingesetztes Löschwasser aufzufangen und einer Entsorgung zuführen zu können. Vor den Hallentoren wurden Hydroschilde aufgebaut, um eventuell austretenden Salzsäuregase mit Hilfe des Wassernebels zu binden und niederzuschlagen. Probenentnahmen vom ausgasenden Material folgten, um die Zusammensetzung der Masse im betriebseigenen Labor zu analysieren.
Da die Einsatzkräfte zur Eigensicherung nur unter schweren Atemschutz, und in der Halle zusätzlich nur in Vollschutzanzügen, arbeiten konnten, wurde die Nachalarmierung weiterer Kräfte aus den Gemeinden Stolzenau und Steyerberg erforderlich. Um 14:40 wurde auch noch der Gefahrgutzug Mitte zur weiteren Unterstützung angefordert, um frische Kräfte und weitere Atemschutzgeräte sowie Vollschutzanzüge einsetzen zu können.
Die weiteren Messungen in der betroffenen Halle ergaben nach 15 Uhr ein Abkühlen der ausgasenden Masse, verbunden mit einer Abnahme der Schadstoffkonzentration, die sich bis 16 Uhr dann auf einen nicht mehr nachweisbaren Wert reduzierte. Mit der Belüftung der Halle wurde der Einsatz der Feuerwehren beendet. Anschließend versorgte der Verpflegungszug aus Wietzen die Einsatzkräfte mit Getränken und Essen, denn die meisten Männer und Frauen hatten zum Frühstück das letzte Essen zu sich genommen.
Zum Einsatz kamen 80 Atemschutzgeräteträger, davon 21 in Vollschutzanzügen, ergab eine erste Auswertung des Großeinsatzes. Zur Ursache für die heftige Reaktion bei dem Mischvorgang können noch keine Angaben gemacht werden, dazu dauern die Ermittlungen noch an.

Text & Fotos: Martin Möhring; Kreispressewart Nienburg-Süd