11.07.2011

200 Einsatzkräfte beim
Gebäudebrand in Nordel

Besitzer legte Brandsätze, manipulierte die Gasleitung
und beging Suizid

Nordel. Eine Explosion erschütterte am Montagabend kurz vor neun die Lindenallee in Nordel. Vom lauten Knall hellhörig geworden, bemerkten Anwohner die Rauchschwaden und alarmierte die Feuerwehr. Als die ersten Wehren am Einsatzort eintrafen, brannte die Erdgeschosswohnung im Altbau eines metallverarbeitenden Betriebes bereits in voller Ausdehnung. Der im Betrieb allein lebende Besitzer galt als vermisst.

130 Brandschützer aus den Ortswehren Nordel, Essern, Steinbrink, Diepenau, Bohnhorst, Warmsen und Sapelloh hatten den Brand binnen 30 Minuten unter Kontrolle und konnten um 21:30 Uhr „Feuer aus!“ melden. Die Ortswehr Lohhof unterstütze mittels Wärmebildkamera.
Schockierendes erbrachte die Personensuche. AGT-Trupps fanden im angrenzenden Wohnhaus PET-Flaschen mit Brandbeschleuniger, aus mehreren Leckagen strömte Erdgas. Als bedrohlich erwies sich die Gaskonzentration in der freistehenden Maschinenhalle, glücklicherweise ist es während der Löscharbeiten zu keiner weiteren Durchzündung gekommen, denn dann hätte es Verletzte oder Tote auf Seiten der Einsatzkräfte geben können.
Den 62-jährigen Eigentümer fanden die Kameraden in einen mobilen Hochsitz hinter der Maschinenhalle. Er hatte sich mit Pestizid vergiftet. Bereits das Einatmen der Dämpfe wurde einem Sanitäter zum Verhängnis. Mit Atembeschwerden wurde er ins Krankenhaus nach Stolzenau gebracht. Die Recherche des Pflanzenschutzmittels führte die Einsatzkräfte an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Unverzüglich wurden die Gefahrgutgruppe der Samtgemeinde und der ABC-Zug aus Nienburg nachalarmiert. Unter Chemikalienschutzanzügen - CSA musste der kontaminierte Leichnam aus dem Hochsitz geborgen werden.
Mit den nachalarmieren Einheiten, den Rettungskräften des DRK, die ermittelnden Beamte der Polizeidienststelle Stolzenau und den Mitarbeitern der Versorgungsunternehmen summierte sich die Anzahl der Einsatzkräfte auf über 200. Der Brandschaden beziffert die Polizei auf über 100.000€. Im Altbaugebäude besteht Einsturzgefahr.

Text & Fotos: Bernd Braun;
Feuerwehrpressewart der Samtgemeinde Uchte